Ausflug in die Neue Welt
Marc Tardue dirigierte Schuman, Harris und Schumann

[...] „Wer über eine solche Solistin verfügt wie Harris über Nora Chastain, seine Enkelin, braucht um sein Konzert nicht zu fürchten.“ [...]

[...] „Die Souveranität der Enkelin, ihr technisch-tonlich herrlich fundiertes Spiel, ihre gestalterische Freizügigkeit, die rhythmische Spannkraft wie die Flexibilität ihres viel zu wenig geforderten Cantabile waren Garanten für die Aufmerksamkeit, die die Hörer dem Werk entgegenbrachten.“[...]

THÜRINGISCHE LANDESZEITUNG, Hans-Jürgen Thiers
16. Juni 2014

Nora Chastain gab mit Daniel Schnyders Violinkonzert einen virtuosen Einstand in der Alten Oper Frankfurt

Kaleidoskop des aktuellen Tons

Frankfurt - Klingende Weihnachtsgaben zu verteilen, überlässt er anderen. Wenn Sebastian Weigle „sein“ Frankfurter Opern- und Museumsorchester dirigiert, sind Besonderheiten programmiert, das traditionsreiche „Museum“ auch mal auf ungewohntem Kurs steuernd. 

Dazu gehört Daniel Schnyders Violinkonzert, das wie ein Kaleidoskop aktuellen Tons anmutet, von der Solistin Nora Chastain kräftig geschüttelt, die in der Alten Oper Frankfurt einen virtuosen Einstand gab.

[...]  Die Schlagwerk-Batterie und ein voluminöses Marimbaphon lassen schon ahnen: Beim 1997 für die Solistin aus Kalifornien geschriebenen Violinkonzert geht es rhythmisch zur Sache. Auch in den hart angerissenen Hardbop-Phrasen, unisono mit den Streichern, oder in den wie improvisatorischen Umspielungen dem Jazz verpflichtet, an dem Nora Chastain sichtbar Spaß hat. [...]

Offenbach Post, Klaus Ackermann
19. Dezember 2012

Aus dem Schmelztopf

Integration und Eigensinn beim Museumskonzert

Von 1997 ist das Violinkonzert Daniel Schnyders, das beim Frankfurter Museumskonzert in der Alten Oper jetzt die aus Kalifornien stammende Nora Chastain spielte.  [...] 

 [...] In seinem Konzert gehen vor einer mal lyrisch-gebremsten, mal motorisch-beschleunigten, romantisch anmutenden Klangfolie allerlei Idiome und ethnische Intonationen fließend ineinander über. [...]

 [...] Schnyders Konzert leistet seinen Beitrag zur Völkerverständigung so, wie die Fusion- oder Crossover-Produktion es meistens tut: indem sie den Zuhörern das Fußwippen zu einschlägigen metrischen Abläufen ermöglicht.  Hier geschieht das mit fein ausgehörten Klängen, von Solistin Chastain exquisit gespielt und vom Museumsorchester unter Sebastian Weigle sensibel begleitet. [...]

Frankfurter Rundschau, Bernhard Uske
17. Dezember 2012

PRESSEMITTEILUNG

28. September 2012

Latin Grammy Award-Nominierung für CD-Einspielung mit Nora Chastain



Die CD "Fiesta Criolla" mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen unter der Leitung von Gabriel Castagna und Nora Chastain (Geige) als Solistin ist für den Latin Grammy Award 2012 nominiert worden.

Die Produktion des britischen Labels Chandos tritt in der Kategorie „Best Classical Album“ an. Im Mittelpunkt der CD (Produzent: Reinhard Geller) steht das Violinkonzert des Peruaners Teodoro Valcárcel (1900-1942), das von Nora Chastain erstmals eingespielt wurde.

"Ich bin sehr erfreut, dass diese viel zu selten gespielte Musik Lateinamerikas wieder gehört werden kann", sagt Nora Chastain zur Entscheidung der Grammy Akademie.

Die Amerikanerin, Enkelin des Komponisten Roy Harris, beschäftigt sich immer wieder mit neuen und selten gespielten Werken. Dazu gehört das für sie geschriebene Violinkonzert von Daniel Schnyder, Roy Harris' Geigenkonzert sowie die Werke des verfemten Komponisten Robert Kahn. Von Nora Chastain sind zahlreiche CDs erschienen. Insgesamt treten sechs Produktionen für die beste Klassik-CD bei den Latin Grammys am 15. November 2012 an.


Südliche Glut, kontrollierte Ekstase, geschärfte Rhythmik

Es klang vielversprechend: lauter Erstaufführungen mit südamerikanischer Musik, geleitet von Gabriel Castagna mit Nora Chastain als Violin-Solistin.

Einen Höhepunkt bildete der Auftritt der in Reutlingen ansässigen und international renommierten Geigerin Nora Chastain. Schöner kann man das „Concerto Indio“ des Peruaners Teodoro Valcárcel vermutlich nicht spielen. Absolut überzeugend gelang Nora Chastain eine unbeschwerte, doch bei aller vordergründigen Naivität ausgefeilte und tief gehende Interpretation des von Liebe, Sehnsucht und einem ländlichen Tanzvergnügen erzählenden viersätzigen Werkes, sensibel begleitet vom Orchester [Württembergische Philharmonie). Musizierfreude und raffinierte Leichtigkeit verbanden sich zu einem abwechslungsreichen und phantasievollen ersten Eindruck.

Südwestpresse, Susanne Eckstein
23. März 201
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Zwischen Leidenschaft und Romantik

Das Zykluskonzert am Sonntagabend mit Nora Chastain an der Violine und Friedemann Rieger am Klavier hatte sowohl Werke der Klassik als auch der spanischen Moderne auf dem Programm.

… Wie das Frühlingslied von Wolfgang Amadeus Mozart, «Komm, lieber Mai, und mache», eröffnete dessen C-Dur-Sonate frisch und voller Lebensfreude das zweite Saisonkonzert des Abend-musikzyklus Flawil-Gossau in der Kirche Oberglatt…

Energische Lebensfreude

…So kunstvoll sind in diesem Werk die beiden Stimmen miteinander verwoben, dass es der Violine nur in den exponierten Diskantmomenten gelang, sich klar von dem brillanten Klang des grossen Flügels abzusetzen. Violinistin Nora Chastain konnte sich wunderbar in dieses Konzept einfügen, ohne sich klanglich nach vorne drängen zu wollen. Sie spielte aber dennoch mit energievollem Bogenstrich, der pure Lebensfreude auszudrücken vermochte…

Musikalische Leidenschaft

…Der 1882 in Sevilla geborene Joaquin Turina studierte in Paris Musik, wo er sich vom Impressionis-mus eines Claude Debussy und eines Maurice Ravels inspirieren ließ. In Oberglatt stand seine Sonate «Espagnole» aus dem Jahre 1908 auf dem Programm. Eruptives Temperament stand dabei im Mittelpunkt der Interpretation von Nora Chastain… Bewusst, aber nicht aggressiv, spielten die beiden Musiker die Dissonanzen aus und setzten damit diese dazu ein, ein spannendes Gesamtbild von spanischer Leidenschaftlichkeit zu zeichnen. Virtuosität stand in einem wunderbaren Gegensatz zu empfindsam gestalteten Melodiephrasen.“

Tagblatt, Carola Nadler
19. Mai 2009

Weill, Schnyder, Schostakowitsch

„Brückenschläge“ auch im Abschlusskonzert

…Nach der Pause erklang ein „Konzert für Violine und Orchester“. Dass die Komposition vom 1961 geborenen, schweizerisch-amerikanischen Komponisten Daniel Schnyder stammt, hat Brücken-charakter an sich. Geschrieben hat er das Konzert für die kalifornische Geigerin Nora Chastain. Sie präsentierte es in seiner Verknüpfung sinfonischer Konzerttradition mit Rhythmen und Klängen der neuen Welt.

Nora Chastain begeisterte das Publikum mit ihrer meisterlichen Spielweise in allen Tempi und Lagen Wobei ihre Kunst, in den hohen und höchsten Lagen fast nur hingehauchte lupenreine Töne zu zaubern, Gänsehaut erzeugte. Das den Rhythmus bestimmende Instrument war das Marimbaphon. Durch dessen besonderen Klang und das bravouröse Spiel der Musiker war das Flair dieser Rhythmussprache, in Verbindung von brasilianischer Musik und arabischen Klängen sowie Jazz-elementen sehr nachhaltig zu erleben.“

Kurz Weill-Fest Dessau 2009

MDR- Sinfonieorchester unter Leitung von Michael Sanderling

Zerbster Volksstimme, Helmut Rohm
14. März 2009

Rundfunkkonzert

Schätze des 20. und 21. Jahrhunderts

… Unter seiner (Michael Sanderling) so elastischen wie energischen Stabführung gerät selbst das Violinkonzert des Saxofonisten und Jazzers Daniel Schnyder mit seinen Eklektizismen aus rhyth-mischen Rissen und idyllischen Intarsien erstaunlich homogen…

…Widmungsträgerin Nora Chastain streicht ihre Seidigkeit, ihr Saiten-Säuseln, immer wieder über den harmonischen Unebenheiten, den Schwielen des Tutti glatt. Variierte Fetzen von Filmmusik in Marimba-Rumba, bricht die Blech-Blöcke mit selbstvergessener Intimität auf. Unprätentiöser als so manche Überfliegergeigerin. Aber einnehmend…

Gewandhaus Leipzig,

MDR-Sinfonieorchester unter Leitung von Michael Sanderling

Leipziger Volkszeitung, Charlotte Schrimpff
12. März 2009

Sehnsucht nach den Traditionen

MDR-Sinfonieorchester spielt Werke von Weill, Schnyder und Schostakowitsch

…Im Zentrum aber stand mit Daniel Schnyders „Violin Concerto“ ein Werk, das die kantable Begabung seiner Solistin Nora Chastain optimal fordert – und das in seiner Suche nach individuellem Ausdruck in globalisiertem Stil-Mix wie ein Reflex der Gegenwart auf jene Prozesse wirkt, die am Beginn des 20. Jahrhunderts ihren Anfang nahmen. Ein Finale, das jedem Diskurs zur „Klassischen Moderne“ eine praktische Antwort gab…

Kurt-Weill-Fest Dessau 2009

MDR-Sinfonieorchester unter Leitung von Michael Sanderling

Mitteldeutsche Zeitung, AHI
10. März 2009

Reutlinger General-Anzeiger

Mit viel Detail-Liebe

Die Uraufführung ging ohne den Meister über die Bühne: Als am 23. März 1939 Béla Bartóks zweites Violinkonzert in Amsterdam erstmals gespielt wurde, fehlte der ungarische Komponist. Erst 1943 konnte Bartók (1881–1945) das Werk komplett hören. Da war er schon längst im amerikanischen Exil. Das Konzert hatte Bartók vor der Flucht aus Budapest geschrieben und es markiert eine Wende. Der Klangsammler Bartók wandte sich hier allmählich von der Atonalität ab und stellte das Werk nach den Vorbildern von Brahms und Mendelssohn in die traditionelle Dreisatz-Folge.
Die Schlüsselkomposition ist jetzt mit Nora Chastain neu erschienen, die mit Beethovens Violinkonzert auf der CD gleich noch einen Brocken dazugestellt hat. Allerdings ist von einschüchternder Monumentalität bei der einstigen Schülerin von Yehudi Menuhin und Sandor Vegh nichts zu spüren. Einfühlsam, ohne Allüren und mit viel Detail-Liebe verbindet die Geigen-Professorin der Berliner Universität der Künste beide Konzerte zu einem reizvollen Klangpanorama großer Violinwerke aus zwei Jahrhunderten.

(a), 11. Februar 2009

Sie atmen in Zeitlupe

Klavier und Violine: Friedemann Rieger und Nora Chastain im Beethoven-Haus

Friedemann Rieger und Nora Chastain spielen das geistreiche und fröhliche Werk (Beethoven D-Dur-Sonate für klavier und Violine) zur Eröffnung ihres Kammermusikabends im Beethoven-Haus. Und verdeutlichen mit ihrem angeregten Zwiegespräch von Anfang an, dass beide Instrumente gleichbe-rechtigt sind. Nach dem Unisono-Beginn finden Geigerin und Pianist schnell zu einem gesangsartigen Ton: ihr Dialog wird durch die immer schneller aufeinander folgenden Durchgangsnoten und spannungsgeladenen Harmonien zusehends aufgeregter, bevor Beethoven die Bremse zieht und mit satten Akkorden einen Militärmarsch andeutet. Durch die ganze Sonate hindurch tauschen Klavier und Violine munter die Rollen: ein unterhaltsames Hörspiel, das Nora Chastain und Friedemann Rieger mit tänzerischer Leichtigkeit ausführen. Weicher Anschlag, saubere Artikulation und kluger Pedaleinsatz machen Rieger zu einem versierten Stimmungsmaler am Klavier; Chastain verfügt über einen satten und beweglichen, besonders in der Höhe brillanten Ton.

Diese Qualitäten kommen auch Beethovens G-Dur Sonate op. 96 zugute, die letzte für Klavier und Violine, gekennzeichnet durch eine seltene Gelassenheit. Im wunderschönen Adagio espressivo atmen die perfekt aufeinander eingespielten Musiker in Zeitlupe, um der durchgehenden lyrischen Linie gerecht zu werden; mit Witz und Temperament bahnen sie sich ihren Weg durch die abrupten Wendungen und Überraschungen des letzten Satzes.

Als Kontrastprogramm gibt es die Sonate d-Moll für Violine und Klavier von Karol Szymanowski.

General-Anzeiger Bonn, Gunild Lohmann
1./2. November 2008

Frenetischer Applaus für den Dirigenten und die Solistin

DONNERSTAGSKONZERT
Konzerthaus Helsingborg
Symphonieorchester unter der Leitung von Sebastian Weigle
Solistin Nora Chastain, Violine
Programm: Werke von Mendelssohn, Daniel Schnyder und Mozart.

... Daniel Schnyder wurde in Zürich geboren, sein Wohnsitz ist New York. In New York wurde die Violinistin Nora Chastain an der Juilliard School ausgebildet und ist heute Professorin and der Musikhochschule Zürich...

... Schnyders Musik ist unerhört rhythmisch, kombiniert mit reinen Jazzelementen. Sie ist reich an Facetten und mischt weiche Passagen mit unbeugsamen, um nicht zu sagen dissonanten Partien. Es ist eine Musik mit viel Kraft und Energie, und sie stellt wahrhaftig Ansprüche sowohl an die Interpretin wie auch an das Publikum. Das Orchester wurde den Ansprüchen auf hervorragende Weise gerecht, und es besteht nicht der geringste Zweifel, daß Nora Chastain eine ungewöhnliche begabte Violinistin ist. Sie hat einen ausgewählten Ton, eine vollendete Technik und eine Musikalität, die - wie die ihres Lehrers Yehudi Menuhin - außergewöhnlich ist. Ihr Ton in den oberen Lagen war atemberaubend schön.

Die Kombination Weigle - Schnyder – Chastain war ein Erfolg. Das zahlreiche Publikum, nur ganz wenige Plätze waren nicht besetzt, rief, pfiff und trampelte seinen Beifall als Kompliment zum traditionellen Applaus.

Gunilla Boström, Helsingborgs Dagblad, 5. März 2005

Viel Applaus für Jazz im Sinfoniekonzert

Lübeck - Eine europäische Erstaufführung, eine deutsche Erstaufführung, dazu ein eher unbekanntes Werk von Schostakowitsch: Das 7. Sinfoniekonzert der Lübecker Philharmoniker bot ungewohnte Klänge. Das Publikum aber war am Sonntag sehr angetan von dieser modernen Musik.

Zu Beginn stand unter der Leitung des weltweit gefragten Dirigenten José Serebrier die Suite Nr. 2 für Jazz-Orchester von Schostakowitsch auf dem Programm. Mit Jazz im eigentlichen Sinn hat dieses melodienselige Stück aus der Mitte der 30er Jahre nichts zu tun, viel mehr erinnert es an Strauß-Walzer und an die Filmmusiken, die Schostakowitsch geschrieben hat. Serebrier gelang dennoch eine spannende Wiedergabe, in der die Saxophonisten das instrumentale Glanzlicht setzten.

Ganz anders in Stil und Charakter dann das Violinkonzert des 1961 geborenen Daniel Schnyder mit Nora Chastain als Solistin. Der Schweizer kombiniert Jazz-Rhythmik mit indischen Skalen, arabische Melodiefragmente mit veritablen Fugen. Hochintelligente Musik, die in ihrer Komplexität über den allzu oft gebrauchten Begriff, “Cross over” weit hinaus geht. Bei Schnyder entsteht wirklich etwas Neues aus alter und zeitgenösssicher Musik, sehr gut anzuhören und hochgradig spannend. Nora Chastain beeindruckte durch ihren schlanken, aber ungemein beweglichen Ton, der vor allem in den hohen Lagen wunderschön klang. Gelegentliche rhythmische Unschärfen im Orchester störten den vorzüglichen Eindruck nicht, diese deutsche Erstaufführung eines sehr schwierigen Werks gelang ausgezeichnet.

Nach der Pause dirigierte José Serebrier dann seine eigene 2. Sinfonie, die er selbst eine “Partita in vier Bewegungen” nennt. Noch keine 20 Jahre alt war der gebürtige Uruguayer, als er diese Komposition schrieb, und es ist ihm damals - 1958 - ein recht großer Wurf gelungen. Im ersten Satz erinnerte viel an die südamerikanische Heimat Serebriers, flirrende Klänge und Rhythmen erzeugten eine dichte Atmosphäre. Schroff dagegen gesetzt dann der Trauermarsch des zweiten Satzes, musikalisch eine Mischung aus den Tonsprachen von Schostakowitsch, Strawinsky und Bernstein. Hier zeigten die Lübecker Philharmoniker wiederum ihre ganzen Stärken auf. Nach dem Zwischenspiel dann ein furioses Finale mit einem hinreißenden Schlagzeugsolo - und großer Beifall für ein außergewöhnliches Konzerterlebnis.

FEL

Lübecker Nachrichten, 27. April 2004

Junge Musik

Das 7. Sinfoniekonzert der Lübecker Philharmoniker stellte erneut unter Beweis, wie wertvoll die Programmplanung des GMD ist - und wie kein anderes Orchester in der MuK Unbekanntes wagt und engagiert interpretiert. Leider hielt sich die Neugier, zumal der Jugend, in Grenzen, so dass manch Musikfreund etwas versäumt hat. Der in Uruguay geborene Kosmopolit José Serebrier dirigierte junge Musik.

Und es war fröhliche Musik, wenn auch Dmitri Schostakowitsch die mit 32 Jahren komponierte 2. Suite für Jazz-Orchester mit dem ihm eigenen kleinen grimmigen Unterton in die sozialistische Welt entließ: Von zwar Jazz keine Spur - lediglich die Saxophone verwiesen darauf - dafür die bourgoisen Formen vom Walzerkönig im Sound des 20. Jahrhunderts. Serebrier steuerte mit knapper Gestik das große Orchester schwungvoll durch vier nostalgische Sätze.

Die deutsche Premiere des Violinkonzerts des in den USA lebenden Schweizers Daniel Schnyder (43) ließ aufmerken: zum einen durch die Solistin Nora Chastain, für die es 2000 geschrieben wurde, und andererseits, weil der Komponist wirklich etwas zu sagen hat. In drei Sätzen mit gut zwanzig Minuten Dauer gehen Tradition und zeitgemäße Strömungen zusammen, verschmelzen barocke Anklänge mit Jazz und asiatischen Modi. Schnyder streift das modische „Crossover” ab und schafft erfolgreich Eigenes - tonal. Die Lübecker Professorin Chastain lässt die Violine in höchsten Lagen singen, tritt in Dialog mit der Marimba, erzählt mit dem Orchester gemeinsam. Das changiert, sprudelt, ist in den (Ab)Läufen synchronisiert, sucht sich auch vom Takt zu lösen hin zum selbstprägenden Rhythmus des Jazz. Die von Serebrier sicher erfasste Partitur setzten die Philharmoniker erstklassig um - das Auditorium war begeistert.

Es sah auch keineswegs alt aus in der Akzeptanz der europäischen Erstaufführung von Serebriers 1958 mit 20 Jahren notierten Sturm-und-Drang Sinfonie “Partita”. Hier umrahmen zwei von lateinamerikanischem Rhythmus und Drive geprägte Sätze ein baßlastiges “Poema Elegiaco”. Das Werk endet in einem Solo des Drummers, das selbst hohe Jahrgänge von den Sitzen riss: Zuhörer und Philharmoniker sind um eine schöne Erfahrung reicher geworden.

Güz

Lübecker Stadtzeitung, 27. April 2004

Premieren für Junge Musik

Im 7. Sinfoniekonzert der Lübecker Philharmoniker dirigierte der in Uruguay geborene Kosmopolit José Serebrier junge Musik. Und es war fröhliche Musik, wenn auch Dmitri Schostakowitsch die der 2. Suite für Jazz-Orchester mit grimmigem Unterton der bourgoisen Walzerseligkeit den Sound des 20. Jahrhunderts gab. Serebrier steuerte mit knapper Gestik das große Orchester schwungvoll durch vier nostalgische Sätze.

Im Violinkonzert des in den USA lebenden Schweizers Daniel Schnyder (43) gehen Tradition und zeitgemäße Strömungen zusammen, verschmelzen barocke Anklänge mit Jazz und asiatischen Modi. Schnyder streift das modische „Crossover” ab und schafft erfolgreich Eigenes - tonal. Die Lübecker Professorin Nora Chastain als Solistin lässt die Violine in höchsten Lagen singen, tritt in Dialog mit der Marimba, erzählt mit dem Orchester gemeinsam - das Auditorium war begeistert.

Es sah auch keineswegs alt aus in der Akzeptanz der europäischen Erstaufführung von Serebriers 1958 mit 20 Jahren notierten Sturm-und-Drang Sinfonie Partita. Hier umrahmen zwei von lateinamerikanischem Rhythmus und Drive geprägte Sätze ein baßlastiges Poema Elegiaco. Das Werk endet in einem Solo des Drummers, das selbst hohe Jahrgänge von den Sitzen riss: Zuhörer und Philharmoniker sind um eine schöne Erfahrung reicher geworden.

güz

Kieler Nachrichten, 26. April 2004

Jazz im siebten Sinfoniekonzert

Werke von Schostakowitsch, José Serebrier und Daniel Schnyder

LÜBECK - Es ist ein ungewöhnliches Programm, das Generalmusikdirektor Roman Brogli-Sacher für das siebte Sinfoniekonzert der Lübecker Philharmoniker am Sonntag (11 Uhr) und Montag (20 Uhr) zusammengestellt hat. Jazz steht im Zentrum des Konzerts - das hört man nicht oft im klassischen Konzertsaal.

Am Pult steht ein weltweit gefragter Dirigent, der gebürtige Uruguayer José Serebrier. Er wird seine 1958 entstandene 2. Sinfonie dirigieren, das Lübecker Konzert ist die eu-ropäische Erstaufführung dieses Werkes. In dieser viersätzigen Partita greift Serebrier auf Klangfarben und Rhythmen seiner südamerikanischen Heimat zurück, die er mit klassischen Formen vermengt und in einem großen jazzigen Finale mit viel Schlagwerk enden lässt.

Zuvor auf dem Programm steht ebenfalls eine musikalische Besonderheit, Ausschnitte aus der Suite Nr. 2 für Jazz-Orchester von Dmitri Schostakowitsch (uraufgeführt 1938). Jazz galt in der Sowjetunion der Stalin-Zeit als verpönt, im Puritanismus stalinscher Prägung war für eine solch freiheitliche Musik wie Jazz kein Platz. Damit nahm Stalin eine ähnliche jazz-feindliche Haltung ein wie Hitler - das passte auch nicht in das kommunistische Weltbild, die Lösung des Problems war die Gründung eines staatlichen Jazzorchesters, für das einige Musiker sogar aus den sibirischen Straflagern geholt wurden. Mit wirklichem Jazz hatte die Musik dieses Ensembles wenig zu tun, sie blieb ein Zwitter. Schostakowitsch schrieb zwei Suiten für das Orchester, die mehr mit Johann Strauß als mit Hot Jazz zu tun haben. Vor allem die zweite Suite zeichnet sich durch wunderschöne Melodien aus.

Als weiterer Schwerpunkt des Konzerts erklingt als deutsche Erstaufführung das Konzert für Violine und Orchester des 1961 geborenen Schweizers Daniel Schnyder mit Nora Chastain als Solistin. Bei der Einführung in das Sinfoniekonzert am Donnerstagabend war das Publikum begeistert von Schnyders Musik, der alle technischen Möglichkeiten der Violine auslotet und mit raffinierter Rhythmik eine musikalische Reise aus den USA über Brasilien und Kuba bis in den Fernen Osten antritt. Kann man ein Sinfonieorchester überhaupt swingen lassen? Schnyder: “Es geht eigentlich nicht, weil man den Charakter von Jazz nicht so notieren kann, wie er eigentlich klingen soll. Aber man kann durch Betonungen echten Groove erzeugen.” Schnyder setzt moderne und außereuropäische Klänge ähnlich wie Serebrier in Zusammenhang mit klassischen Formen, beide haben in ihre Kompositionen zum Beispiel eine Fugé eingebaut - ungewohnt, aber überaus reizvoll.

FEL

Lübecker Nachrichten,24 April 2004

„Wer seiner sicher ist, braucht Sentimentalität nicht zu fürchten. Vor allem Nora Chastain (Violine) konnte über das versagte Glück mit so vielen Schattierungen klagen, dass es einer Verdi-Sängerin Ehre gemacht hätte.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Nora Chastain spielt schön, mit Ebenmaß und einem nahezu unheimlich sicheren Stil-empfinden. Dies aber ist, auch bei Mozarts und Beethovens innigen langsamen Sätzen, eine Schönheit mit Untertönen, heimelig und unheimisch zugleich; nicht sesshaft, unter-chwellig bedroht und bedrohlich: eine Schönheit zwischen Schutz und Schauder, eine Schöheit, die sich ihres Wendepunktes bewußt bleibt. Es ist schwer zu sagen, worin die Faszination dieses besonderen Geigentons besteht. Auch Yehudi Menuhin wird mög-licherweise, als er das Typische der Geigerin beschreiben wollte und deren Spielweise dann als die „stilvollste und vorzüglichste“ apostrophiert hat, nach Worten gerungen haben. Die gibt es auch nicht. Denn alles, was große Musiker zu sagen haben, entzieht sich und klingt. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.“

Die Rheinpfalz

„Nora Chastain: Sie verkörpert die vollkommene Geigerin. Griff- und Bogenhand har-monieren bei ihr. Ihre Saiten- und Bogenwechsel sind perfekt. Ihre Technik ist extrem sauber und eine sichere Bank der brilliantesten Virtuosität. Sie spielt ruhig, konzentriert, mit Körpergefühl und starkem Charakter und legt in ihren Ton Süße und Schärfe und eine kraftvolle Reinheit, paart Schönheit mit Energie und hat in ihrem Bogen einen Diamant eingebaut, der jedem Ton Glanz und Adel verleiht.

Sie spielt Beethovens Violinkonzert mit großem Modulationsreichtum im ersten Satz. Straff und schlank und ausdrucksmächtig. Ohne rohe Kontraste, sondern vermittelnd zwischen Kraft und Zartheit. Zwischen Weiträumigkeit und sanglich verhaltener Be-sinnung. Und hinreißend in der Entschiedenheit des langen Bogens. Im Larghetto wird ihr Musizieren zu sphärischem Gesang, zu einem Leuchten in Innigkeit und Klarheit. Im Rondo darf man ihre Verbindung von Intelligenz und Spielfreude bewundern, ihre geigerische Eleganz und Rasse und die Leichtigkeit eines Musizierens, das aus feinster Tonkultur erwächst.“

Reutlinger General Anzeiger

Standing Ovations“ für D. Stern und Nora Chastain

„Vor der Pause dann der musikalische Höhepunkt des Abends. Mit dem Konzert für Violine in A-Dur stellte sich die in Kalifornien geborene Nora Chastain dem Bad Berle-burger Publikum vor. Sie studierte bei Dorothy Delay am Cincinnati Conservatory und an der Juilliard School in New York. Ihre Ausbildung vervollkommnete sie in Europa bei Yehudi Menuhin, Sandor Vegh, Alberto Lysy und Anna Chumachenko. Mit blühendem Geigenton wußte sie ihre innere und äußere Musikalität zu vermitteln. Durch ihre Virtuosität der reinen Ästhetik nahm sie die Zuhörer mit in die Tiefe Mozart’scher Genialität.

Die feine Empfindlichkeit für die Reinheit der Intervalle, die Sensibilität für dynamische Abstufungen und die Leichtigkeit des Musizierens ließen den Vortrag der Nora Chastain zu einem Erlebnis werden. ‘Standing ovations‘ waren der Dank des Publikums für einen außergewöhnlichen Vortrag“.

Westfalenpost

„Bela Bartok’s Violinkonzert ermöglichte den Zuhörern die Begegnung mit einer Künst-lerin (Nora Chastain), deren Interpretation zutiefst beeindruckte. Mit einem schönen warmen Ton und einem nuancierten Vibrato in den Kantilenen, mit Sicherheit in den Passagen und Doppelgriffen schafften die Solistin und das Orchester eine Klangwelt voller Spannung und Varietät.“

Thüringer Allgemeine Zeitung

„Ganz unsentimental mit musikantischer Frische interpretierte Nora Chastain Mozarts A-Dur Violinkonzert KV 219. Nach der Orchestereinleitung kam der Einsatz der Solistin von oben, wie aus einer anderen Welt einschwebend, bevor sie fast fetzig in die vorgegebene Thematik einstieg.“

Westfälische Rundschau

„Für den unerhört schwierigen und zuweilen mit technischen Raffinessen überladenen Solopart war die junge, mehrfach preisgekrönte Amerikanerin Nora Chastain gewonnen worden. Sie fesselte nicht allein durch ihre elegante Bogenführung, ihre bewunderungs-würdige Intonationssicherheit und ihre äußerst variable Tonbildung, sondern auch durch ihre ungewöhnlich musikalische Gestaltung. Perfektion schien ihr nie Selbstzweck zu sein, sie diente ihr nur als Mittel, Bartóks Musik zur Geltung zu bringen. Ihr wundervolles Instrument, eine Gagliano, kam ihr dabei natürlich sehr entgegen.“

Südwestpresse Tübingen

Coup der Enkelin

Nora Chastains grandioser Triumph in Hagen

„Die Musikalität der Nora Chastain ist Nervenkraft gepaart mit dem Mut zu intellektuellen Abenteuern. Manchmal lässt sie Melodien trostreich aus der plätschernden Sintflut der Komposition hervorquellen. Sie bietet nicht leicht zugänglich Fingerzeige zum Paradies hinter der rauen Wirklichkeit.

Roy Harris entpuppte sich unter den Händen der Enkelin, einer Geigerin der Extraklasse, als Meister des Versteckspiels, des Raffinements und der Erfindungskraft“.

Westfalenpost

„Hier gehen spanisches Feuer und französischer Impressionismus eine Symbiose ein, deren Virtuosität Nora Chastain ihren ausdrucksvollen Stempel aufdrückt“.

Lübecker Nachrichten

„Für Nora Chastain scheint es keine Hürden zu geben. Mit Verve, technischer Perfektion und künstlerischer Hochform absolvierte sie die kontrastvollen Sonatensätze. Sie drückt auf ihrer klangvollen Gagliano von 1761 alle Regungen aus, wozu sie als begnadete Mu-sikerin fähig ist.“

Heilbronner Stimme